Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
sehr geehrter Herr Bundesfinanzminister,
sehr geehrter Herr Bundesaußenminister,
mittlerweile leben vielleicht noch bis zu 50.000 der polnischen Opfer des deutschen Vernichtungskrieges und der deutschen Besatzung von 1939 bis 1945. Jeden Tag sterben weitere dieser hochbetagten Überlebenden.
Im Juli 2024 waren sich die damalige Bundesregierung und die polnische Regierung in der Frage einer „humanitären Geste“ Deutschlands gegenüber den noch lebenden Opfern des deutschen Vernichtungskrieges und der deutschen Besatzung in Polen schon recht nahegekommen. Dass die jetzige Bundesregierung in ihrem Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 keinerlei Mittel für eine solche „humanitäre Geste“ bereitgestellt hat, ist für uns eine herbe Enttäuschung. Angesichts der drängenden Zeit hatte die deutsch-polnische „Kopernikus Gruppe“ schon im vergangenen Jahr das Ausbleiben einer „humanitären Geste“ völlig zu Recht als unverständlich und belastend für die bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen bezeichnet.
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
der Zeitpunkt, um der Verantwortung gegenüber den letzten noch lebenden Opfern des deutschen Vernichtungskrieges und der deutschen Besatzung in Polen gerecht zu werden, ist jetzt.
Jede weitere Verzögerung der „humanitären Geste“ halten wir für nicht tragbar. Wir fordern deshalb die Bundesregierung, und insbesondere Sie als Bundeskanzler dazu auf, durch geeignete Maßnahmen noch vor der Verabschiedung des Bundeshaushalts 2027 sicherzustellen, dass genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, um im Sinne einer „humanitären Geste“ mit den Auszahlungen entsprechender
Mittel an die letzten Überlebenden beginnen zu können. Die Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung in Warschau sollte mit der Abwicklung
beauftragt werden. Sie verfügt über die nötige Erfahrung und Informationen über die Betroffenen. Die notwendigen Mittel wären gegebenenfalls über einen Nachtragshaushalt bereitzustellen. Aber es liegt jetzt in Deutschlands Verantwortung, der rasch schrumpfenden Gruppe
sehr betagter Menschen in Polen, die unter Deutschland so unermesslich leiden mussten, mit einer „humanitären Geste“ einen Lebensabend in Würde zu ermöglichen. Denn eine solche „humanitäre Geste“ wäre nicht nur ein Ausdruck, Leid anzuerkennen, sondern würde auch den Blick freimachen für eine in die Zukunft gerichtete Gestaltung der deutsch-polnischen Beziehungen.
Mit freundlichen Grüßen
Unterzeichnerinnen und Unterzeichner
Harm Adam – Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Göttingen e. V.
Anita Baranowska-Koch – Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin e. V.
Krzysztof Blau – Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Sachsen-Anhalt e. V.
Joachim Bleicker – Vorstandsmitglied der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin e. V
Emanuela Danielewicz – Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bochum NRW e. V.; Kosmopolen
Klaus-Dieter Feindt – Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Tostedt e. V.
Theophil Gallo – Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Saarland e. V.
Małgorzata Gemen – Mitglied des Kuratoriums des Bundesverbandes der Deutsch-Polnischen
Gesellschaften e. V.
Karoline Gil – stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums des Bundesverbandes der
Deutsch-Polnischen Gesellschaften e. V.
Thomas Guddat – Vizepräsident der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Sachsen e. V.
Dieter Hackmann – Mitglied des Kuratoriums des Bundesverbandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaften e. V.; Vorsitzender des Weimarer Dreieck e. V.
Klaudia Hanisch – Co-Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaften in Niedersachsen e.V.
Dr. Carsten Herzberg – für die Deutsch-Polnische Gesellschaft Brandenburg e. V., im Namen des Vorstands
Wolfgang Howald – ehemaliger langjähriger Präsident der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Sachsen e. V.
Peter A. Kokociński – stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaften e. V.; 1. Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Kiel e. V.
Simona Koß – Vorsitzende des Bundesverbandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaften e. V.
Viola Krizak – Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg e. V.
Anita Lisowska – 2. Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Lüdinghausen e. V. (unterzeichnet persönlich, nicht im Namen der Gesellschaft)
Dr. Franz Markus Löw – Vorstandsmitglied der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin e. V.
Markus Meckel, Außenminister a.D, ehemaliger Vorsitzender des Bundesverbandes der
Deutsch-Polnischen Gesellschaften e.V.
Florian Meer – Vorstandsmitglied der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Berlin e. V.
Heinz Möller – Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Verden e. V.
Katarina Niewiedzial – Poloniabeauftragte des Landes Berlin; Mitglied des Kuratoriums des
Bundesverbandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaften e. V.
Dietmar Nietan – Vorsitzender des Kuratoriums des Bundesverbandes der Deutsch-Polnischen
Gesellschaften e. V.
Botschafter a. D. Rolf Nikel – Vizepräsident des Deutschen Polen-Instituts; Mitglied des Kuratoriums des Bundesverbandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaften e. V.
Cornelius Ochmann – geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit; Mitglied des Kuratoriums des Bundesverbandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaften e. V.
Cornelia Pieper – Staatsministerin a. D.; Mitglied des Kuratoriums des Bundesverbandes der
Deutsch-Polnischen Gesellschaften e. V.
Walter Plachetta – Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft in Franken e. V., Nürnberg
Dr. Markus Reichel, MdB – Mitglied des Kuratoriums des Bundesverbandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaften e. V.
Elisabeth Rosner – Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Region Schleswig e. V.
Manuel Sarrazin – Präsident der Südosteuropa-Gesellschaft; Mitglied des Kuratoriums des
Bundesverbandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaften e. V.; MdB a. D.
Axel Schäfer – ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages und des Europäischen Parlaments; Generalsekretär a. D.
Saskia Schneider-Sturmfels – Vorsitzende des Freundeskreises Frankfurt/Krakau – Deutsch-Polnische Gesellschaft Frankfurt am Main e. V.
Jerzy Sobolewski – stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Mecklenburg-Vorpommern e. V.
Gregor Suchy – 2. Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bielefeld e.V.
Gustav Wehner – Co-Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaften in Niedersachsen e.V.
Katarzyna Weichert – Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bremen e. V., im Namen des Vorstands
Katarzyna Werth – Mitglied des Kuratoriums des Bundesverbandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaften e. V.
Michael Zimmermann – Vizepräsident der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Sachsen e. V.
Klaus Ziemer – im Namen des Vorstands der Initiative Partnerschaft mit Polen, Heidelberg
Unterzeichnende Organisationen
Deutsch-Polnische Gesellschaft Bochum NRW e. V. – Unterzeichnung im Namen der Gesellschaft
Deutsch-Polnische Gesellschaft Mecklenburg-Vorpommern e. V. – Unterzeichnung durch den Vorstand im Namen der Gesellschaft

