Pressemitteilung

Verantwortung übernehmen, Zusammenarbeit stärken – Deutsch-polnische Beziehungen brauchen Verlässlichkeit und Nähe

Die deutsch-polnischen Beziehungen stehen weiterhin im Spannungsfeld zwischen historischer Verantwortung und gemeinsamer europäischer Zukunft. Aus meiner Sicht als Bundesvorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaften kommt es entscheidend darauf an, dass politische Signale durch konkretes Handeln unterlegt werden.

Ein zentrales Thema bleibt die Anerkennung des Leids der Menschen in Polen, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gelitten haben. Millionen Opfer und ihre Familien tragen die Folgen bis heute. Entschädigungen und nachhaltige Unterstützungsleistungen für die noch lebenden Betroffenen sind dabei kein juristisches Randthema, sondern Ausdruck moralischer Verantwortung Deutschlands.

Zugleich sind zuletzt wichtige Fortschritte sichtbar geworden. Im Prozess der Rückgabe von im Zweiten Weltkrieg geraubten Kulturgütern an Polen wurde am 1. Dezember eine vor über 80 Jahren aus dem Warschauer Hauptarchiv geraubte Sammlung diplomatischer Noten und Briefe aus dem 13. bis 15. Jahrhundert sowie der Kopf einer Skulptur des heiligen Jakobus des Älteren zurückgegeben. Diese Rückgaben stehen symbolisch für Anerkennung, Respekt und Verantwortung und haben in Polen eine große emotionale Bedeutung.

Auch bei der Erinnerungskultur in Deutschland gibt es Bewegung. Der Deutsche Bundestag hat den Gestaltungswettbewerb für einen provisorischen Gedenkort für die polnischen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und des Zweiten Weltkrieges am Kanzleramt beschlossen. In Polen wird seit Langem ein solches Mahnmal in Berlin erwartet.

Gleichzeitig bestehen weiterhin Herausforderungen im Alltag. Die fortdauernden Grenzkontrollen behindern das Miteinander zwischen Deutschland und Polen, insbesondere in den Grenzregionen. Sie erschweren Begegnungen, belasten den Alltag vieler Menschen und stehen dem Gedanken eines offenen Europas entgegen.

Umso wichtiger ist die gelebte Zusammenarbeit vor Ort. Sie zeigt sich bei Veranstaltungen der Deutsch-Polnischen Gesellschaften wie dem Bundeskongress in Bremen, in der Arbeit von Leuchtturmprojekten wie Schloss Trebnitz als Bildungs- und Begegnungsstätte, in den zahlreichen Städte- und Gemeindepartnerschaften sowie in Initiativen wie dem PolenMobil.

Diese Formen der zivilgesellschaftlichen Zusammenarbeit sind tragende Säulen der deutsch-polnischen Beziehungen und müssen weiterhin unterstützt und sichtbar gemacht werden.

„Ein dauerhaft tragfähiges deutsch-polnisches Verhältnis entsteht dort, wo historische Verantwortung ernst genommen, Hindernisse im Alltag abgebaut und die vielen Formen der Zusammenarbeit vor Ort gestärkt werden. Erinnerung, Begegnung und gemeinsame Zukunft gehören untrennbar zusammen.“

Simona Koß

Bundesvorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaften

30. Dezember 2025

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